"Gut zu wissen, nicht allein zu sein"

5. Juni 2012
  • Schwangerschaft und Geburt

Bei jedem ihrer drei Kinder stand Sabine Yolcu eine Familienberaterin zur Seite. Eine Fallgeschichte aus Schwangerschaftsberatung der Diakonie.

Sabine Yolcu war 20, als sie zum ersten Mal schwanger wurde.

Sabine Yolcu war 20, als sie zum ersten Mal schwanger wurde. "Das war eine komplett neue Situation, auf die ich mich erst einmal einstellen musste", sagt die 32-Jährige heute. Was ist jetzt zu tun? Woran muss ich alles denken? Die junge Frau hatte viele Fragen. Dazu kamen finanzielle Sorgen, denn ihre Ausbildung als Frisörin konnte sie durch die Schwangerschaft nicht fortsetzen: "Ich hatte am Anfang nichts", erinnert sie sich, "Und eine komplette Neuaustattung für ein Kind kostet viel Geld!"

Sie ging in einen Second Hand-Laden und schaute dort nach Babysachen. Trotzdem: "Ich wusste nicht, wie ich es schaffen sollte, unsere Mittel waren einfach knapp". Von der Schwester ihres Freundes hörte sie dann, dass es bei der Diakonie Hilfe gibt. Doch Sabine Yolcu war zunächst skeptisch. "Es hat Überwindung gekostet, dorthin zu gehen", sagt sie rückblickend, "Ich wollte ja nicht betteln".

"Viele Frauen denken, sie sind allein"

Irgendwann stand sie dann doch vor der Tür der Evangelischen Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaftskonflikte und Sexualberatung der Diakonie in Minden. Sie hatte Glück, die Leiterin Leona Schoppengerd-Brast hatte gleich Zeit für ein Beratungsgespräch. „Überrascht hat mich, dass mir hier wirklich zugehört wurde“, sagt Sabine Yolcu, "Es war ein gutes Gefühl zu wissen, ich stehe nicht alleine da. Viele Frauen denken, sie sind allein."

"Beratung ist Orientierungshilfe", bringt es die Sozialpädagogin Leona Schoppengerd-Brast auf den Punkt. Seit mehr als 25 Jahren ist sie bei der Diakonie in Minden tätig ist, immer mit dem Schwerpunkt der sozialen Beratung. "In der Beratung kann man Dinge besprechen, die man erst einmal für sich selber klären und vielleicht nicht mit der Familie besprechen will", berichtet die 50-Jährige.

Das Thema Geld sei den Frauen oft unangenehm: "Vielen fällt es schwer, Geld zu beantragen", weiß die Familienberaterin. Wesentlich in der Beratung sei es, ein offenes Ohr für die Hilfesuchenden zu haben, ihnen aber nichts abzunehmen: "Die Entscheidung müssen sie selber treffen, sie müssen selbst handeln", sagt sie, "Weil alles, was man selber macht, einen wieder stärkt."

Übersetzungshilfe beim Behördendeutsch

Gemeinsam mit ihrer Hilfe hat Sabine Yolcu dann den Antrag auf Kinderzuschlag ausgefüllt, eine Leistung für Berufstätige mit niedrigem Einkommen und Kindern. Das Behördendeutsch war nicht leicht zu verstehen für Sabine Yolcu, auch wenn sie in Deutschland geboren ist und die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Die Heimat ihrer Eltern, Serbien, kennt sie nur von Reisen. Die Familie ihres Manns stammt aus der Türkei.

Ihr ältester Sohn ist inzwischen zwölf, die beiden anderen Söhne sind sieben und zwei Jahre alt. "Frau Schoppengerd hat mir bei allen drei Kindern beigestanden", sagt sie und strahlt. Es sei nicht immer leicht gewesen. Den Kinderzuschlag hat sie zwar bekommen, aber um über die Runden zu kommen, arbeitete sie eine Zeit lang abends als Kellnerin, jetzt tagsüber als Kassiererin. Sie geht weiterhin regelmäßig zu Leona Schoppengerd-Brast ins Beratungsgespräch: "Manchmal reicht es auch einfach, seine Sorgen loszuwerden". 

Text: Diakonie/Ulrike Pape