Schuldnerberatung: Elf häufige Fragen und Antworten

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Hier finden Sie die Antworten auf Fragen, die Überschuldete haben und die unsere Fachleute der Schuldnerberatungen immer wieder gestellt bekommen. Rede und Antwort stehen Ina Albers und Olaf Hennings von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes Teltow-Fläming.

Die Höhe der Schulden spielt keine Rolle. Wenn Ihr Einkommen nicht ausreicht, Ihre Rechnungen und andere finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen, empfiehlt es sich, eine Schuldnerberatung aufzusuchen. Oder wenn Sie zum Beispiel ein Mahnschreiben von einem Inkassobüro bekommen haben, das Sie nicht verstehen und nicht wissen, wie Sie darauf am besten reagieren.

Generell gilt: Je früher Sie sich einen fachkundigen Rat einholen, umso schneller können Sie Ihre Schulden regeln. Denn bei einer Überschuldung werden die Schulden etwa durch regelmäßig anfallende Inkassokosten und Verzugszinsen schnell immer höher.

Wir empfehlen Ihnen, sich an Ihren Landkreis, also Ihre Kreisverwaltung bzw. Ihr Landratsamt, zu wenden und sich die Kontaktdaten einer gemeinnützigen Beratungsstelle geben zu lassen.

Gemeinnützige Schuldnerberatungen sind bei Wohlfahrtsverbänden wie der Diakonie, der Caritas oder dem Arbeiterwohlfahrtverband organisiert. Es gibt auch gewerbliche Schuldnerberatungen. Im Gegensatz zu den gemeinnützigen sind diese jedoch nicht kostenfrei.

Wichtig ist: Ein persönlicher Kontakt mit dem Schuldnerberater sollte möglich sein. Von einer rein telefonischen Beratung oder einer Beratung nur per E-Mail raten wir Ihnen ab.

Die gemeinnützigen Schuldnerberatungen sind meist sehr stark nachgefragt und die Termine schnell ausgebucht. Deshalb empfehlen wir Ihnen, sich frühzeitig um einen Termin zu bemühen.

Manche Schuldnerberatungsstellen bieten zudem auch offene Sprechzeiten an. Dort können Sie in dringenden Fällen ohne Termin mit einem Experten über Ihr Anliegen sprechen.

Das kommt darauf an, für welche Schuldnerberatung Sie sich entscheiden: Die Beratung bei unseren Diakonie-Schuldnerberatungsstellen ist für Ratsuchende kostenlos.

Das erste Gespräch bei der Schuldnerberatung dient dazu, dass die Berater sich gemeinsam mit Ihnen einen Überblick über Ihre Schuldensituation machen. Dafür ist es hilfreich, wenn Sie sich auf den Termin vorbereiten und Sie Ihre Unterlagen möglichst gut sortiert dabeihaben.

Wenn möglich, bringen Sie folgendes mit:

- Unterlagen zu den einzelnen Forderungen wie offene Rechnungen, Mahnschreiben, Mahn- und Vollstreckungsbescheide, Verträge

- Einkommensnachweise wie Lohnabrechnungen oder Bescheide

- Kontoauszüge

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Jeder Fall ist unterschiedlich. In manchen Fällen reicht schon eine einzige Beratung, um eine praktikable Lösung zu finden. Bei mehreren Gläubigern kann es im Durchschnitt sechs bis zwölf Monate für eine Bereinigung der gesamten Schulden dauern.

Im ersten Gespräch verschafft sich der Berater gemeinsam mit Ihnen einen Überblick über Ihre aktuelle Situation: Wie hoch ist Ihre Verschuldung? Und wie ist diese Situation entstanden? Dabei geht es nicht nur darum Ihre finanzielle Situation kennenzulernen, sondern auch Ihre Lebenssituation.

Außerdem verschafft sich die Beratungsfachkraft einen Überblick, wie hoch in Ihrem Haushalt Ihre Einnahmen und Ausgaben sind.

Im weiteren Verlauf geht es um die Überprüfung der Forderungen: Die Beratungsstelle prüft die gegen Sie erhobenen Forderungen und die damit verbundenen Kosten und Zinsen.

Dann besprechen Sie gemeinsam die weiteren Beratungsschritte und Ziele. Ziele können sein: den Gläubigern ein Zahlungsangebot in Form einer Ratenzahlung zu unterbreiten oder ein Verbraucherinsolvenzverfahren zu eröffnen.

Ja! In vielen Beratungsstellen können Sie die Beraterin per Vollmacht dazu befähigen, die Verhandlungen mit Ihren Gläubigern für Sie zu übernehmen und Regulierungsmaßnahmen auszuhandeln, zum Beispiel Forderungsnachlässe oder eine Vereinbarung über Ratenzahlungen.

Wichtig: Ihr Vertrauen zu Ihrer Beraterin steht an erster Stelle. Sie sollten in jeder Phase genau mit ihr absprechen, welche Aufgaben sie für Sie übernehmen kann und darf.

Das Insolvenzverfahren ist eine mögliche Lösung, wenn Sie nach Ihrer heutigen wirtschaftlichen und sozialen Situation in den nächsten Jahren Ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Dies wird auch Privatinsolvenz oder Verbraucherinsolvenzverfahren genannt.

Bevor Sie ein Verbraucherinsolvenzverfahren beantragen, muss es einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern geben. Diesen übernehmen Schuldnerberatungsstellen, die als geeignete Stelle für Insolvenzberatung anerkannt sind. Misslingt der Einigungsversuch, stellt die Schuldnerberatung eine Bescheinigung aus, mit welcher Sie dann den Insolvenzantrag beim Insolvenzgericht stellen können. Die Beratungsstellen stehen Ihnen dabei zur Seite.

Ja! Ihre Daten sind bei der Schuldnerberatungsstelle sicher. Im Gespräch mit den Gläubigern geht es nur darum, Ihre Schulden zu klären. Relevante Daten werden nur in Absprache mit Ihnen weitergegeben. Zum Beispiel, wenn eine Krankheit vorliegt und diese bei den Gläubigern eventuell angesprochen werden soll.

So oft es nötig ist. Für manche Menschen sind mehrere Termine notwendig. Bei anderen klärt sich die Schuldenlage bereits nach dem ersten Termin.

Ina Albers und Olaf Hennings von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes Teltow-Fläming e.V. stehen seit vielen Jahren Menschen mit Schulden bei.

Hennings: "In unseren Beratungen geht es nicht nur um die finanzielle Situation, sondern um den ganzen Menschen - um seine familiäre und berufliche Situation, um seinen gesundheitlichen und seinen seelischen Zustand."

Ina Albers: "Wir möchten Vertrauen zu den Menschen aufbauen und ihnen einen Raum eröffnen, indem sie sich entspannen können und entlastet fühlen".

Redaktion: Daniela Singhal