Häufige Fragen: Gastfamilien für minderjährige Flüchtlinge

  • Freiwilliges Engagement

Sie möchten einen minderjährigen Flüchtling bei sich zu Hause aufnehmen? Hier erfahren Sie, an wen Sie sich wenden müssen, welche staatlichen Leistungen es gibt und was sonst noch zu beachten ist.

Als Gastfamilie wird eine Pflegefamilie bezeichnet, die ‚Hilfe zur Erziehung’ für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling leistet. Gastfamilien stellen dem Jugendlichen für einen vorübergehenden Zeitraum ihre Familie als Lebensort zur Verfügung.

Das Leben in einer Gastfamilie stellt für einige Jugendliche eine sinnvolle pädagogische Alternative zur Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung dar. Minderjährige Flüchtlinge, die in Gastfamilien untergebracht sind, nehmen in der Regel am Familienleben teil. Gasteltern können die Jugendlichen intensiv beim Erlernen der deutschen Sprache und bei der Orientierung in Schule, Ausbildung und Gesellschaft unterstützen. Deshalb kann das Leben in einer Gastfamilie  einen erheblichen Beitrag zur Integration der Jugendlichen und zu ihrer persönlichen Stärkung beitragen.

Grund­sätzlich gibt es keine Ausschlußkriterien. Eine spezielle Ausbildung oder Sprach­kennt­nisse sind nicht gefordert.

Vorteilhaft ist es, wenn die Gasteltern über berufliche oder private Erfahrungen mit Jugend­lichen verfügen. Man sollte  Offenheit und Sensibilität für Erfahrungen mit Menschen aus anderen Kulturen mitbringen, ebenso wie die Bereitschaft, sich mit ungewohnten Verhaltensweisen und Konflikten auseinanderzusetzen.

Für die Aufnahme eines minderjäh­rigen Flücht­lings in eine Pflegefamilie gelten die gleichen Richt­linien wie für die reguläre Aufnahme von Kindern oder Jugend­lichen in Voll­zeit­pflege.

Gastfamilien werden vom Jugendamt oder einem mit der Aufgabe betreuten freien Träger der Jugendhilfe auf ihre Eignung hin untersucht.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Bewerbung als Pflegeeltern
  • Vorlage eines erweiterten polizei­lichen Führungs­zeug­nisses
  • Gesund­heits­attest aller erwachsenen Pflege­personen
  • Einverständnis der Familien­mitglieder, auch der leiblichen Kinder
  • Sichere wirtschaftliche Lage
  • Ausreichend Platz
  • Teil­nahme an entsprechenden Info­rmationsver­anstaltungen und Schu­lungen
  • Bereitschaft zur kontinuierlichen Zusammen­arbeit mit dem Jugend­amt, mit dem recht­lichen Vormund des minderjährigen Flüchtlings und Institutionen wie Schule oder Ausländerbehörde während der Dauer der Hilfe – in der Regel bis zum 18. Geburts­tag.

Ja. Das Zimmer muß nicht groß sein. Wichtig ist, dass der neue Mitbewohner eine Privatsphäre hat.

Das Jugend­amt prüft, ob jemand geeignet ist: Nur dann gibt es die Pfle­geerlaubnis. Die Prüfung kann einige Zeit dauern  dauern.

Man muss sich gegenseitig kennen lernen und dann entscheiden, ob man sich das Zusammenleben vorstellen kann. Man ist mit einer Pflegerlaubnis nicht verpflichtet, einen bestimmten Jugendlichen aufzunehmen. Wichtig ist daher vorher ein gutes „Clearingverfahren“, in dem herausgefunden wird, was der Flüchtling braucht.

Die Jugendlichen sind vorübergehend in den Gastfamilien untergebracht. In der Regel bis zur Volljährigkeit. Die meisten minderjährigen Flüchtlinge, die unbegleitet nach Deutschland kommen, sind zwischen 14 und 18 Jahren alt, so dass man von einem Pflegeverhältnis zwischen ein und vier Jahren ausgehen kann. Manchmal geht das Pflegeverhältnis auch über die Volljährigkeit hinaus.

Es kann aber auch sein, dass Jugendliche nach einiger Zeit der Stabilisierung in der Familie in eine andere jugendtypische Einrichtung der Jugendhilfe wechseln möchten.

Das Jugendamt zahlt Pflegeeltern monatliche Pauschalbeiträge. Zum einen für Sachaufwand wie Ernährung, Unterkunft, Bekleidung, Schulbedarf und Taschengeld. Eine weitere Pauschale wird für Pflege und Erziehung gezahlt. Der monatliche Pauschalbetrag für ein Pflegekind liegt laut der Empfehlung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. (www.deutscher-verein.de) bei insgesamt 913 Euro für Jugendliche zwischen 12 bis 18 Jahren. Dieser Betrag kann je nach Bundesland und Kommune variieren.

Nein, das Pflegegeld ist steuerfrei. Es gehört aber als Einnahme aus freiberuflicher Tätigkeit in die Steuererklärung.

Das Jugendamt erstattet Beiträge für die private Unfallversicherung (bis etwa 150 Euro pro Jahr). Haftpflichtschutz besteht über das Jugendamt. Es übernimmt ebenfalls die Krankenhilfekosten.

Beratung und Unterstützung kann man von der zuständigen betreuenden Organisation (Jugendamt oder freier Träger) erwarten. Zum Teil werden Supervision, Fortbildungen oder ein angeleiteter Erfahrungsaustausch angeboten.

Gasteltern entscheiden zwar in Alltags­dingen, etwa über Frei­zeit­gestaltung oder Arzt­besuche. Recht­lich vertreten sie die Jugend­lichen aber nicht. Für die Minderjäh­rigen ist entweder das Jugend­amt als Amts­vormund oder ein privater Vormund zuständig.  Die Vormundschaft umfasst die rechtliche Vertretung eines Minderjährigen, das heißt, ein Vormund haftet nicht für einen Jugendlichen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind in der Regel über das Jugendamt haftpflichtversichert. Verursacht ein minderjähriger Flüchtling einen Schaden, ist er zunächst selbst verantwortlich und kann den Schaden der Haftpflichtversicherung melden.

Redaktion: Diakonie/Justine Schuchardt