Häufige Fragen: Vormundschaft für minderjährige Flüchtlinge

Sie möchten die Vormundschaft für einen minderjährigen Flüchtling übernehmen? Hier erfahren Sie, welche Aufgaben damit verbunden sind.

Drei Jungs sitzen an einem Tisch und lesen Bücher
© Diakonie/Judith Glaubitz

Auch Privatpersonen können eine ehrenamtliche Vormundschaft übernehmen.

Fragen und Antworten Vormundschaft

Wenn unbegleitete minderjäh­rige Flücht­linge ohne Eltern nach Deutsch­land kommen, brauchen sie eine rechtliche Vertretung. Meist über­nimmt das Jugend­amt diese Aufgabe (Amtsvormundschaft). Doch auch Privatpersonen können sich um Jugend­liche kümmern und eine ehrenamtliche Vormundschaft übernehmen.

Aufgrund der großen Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind, sind die Jugendämter vielerorts überlastet. Deren Kapazitäten sind jedoch in vielen Kommunen weit überschritten Bei einer gesetzlich vorgegebenen Obergrenze von 50 Mündeln – gibt es oft nicht genügend Vormünder in den Jugendämtern, so dass diese Zahl in der Praxis oftmals überschritten wird und die Vormünder den Anforderungen nur schwer gerecht werden können.

Ein Vormund ist der recht­liche Vertreter eines unbe­gleiteten Minderjäh­rigen bis zum Erreichen der Volljährigkeit. Er über­nimmt die elterliche Sorge. Der / die Jugendliche wohnt jedoch weiterhin in einer vom Jugend­amt zugewiesenen Einrichtung, zum Beispiel einer Jugend­wohn­gruppe oder einer Pflegefamilie.

Ab Voll­jährigkeit kann jeder eine  Vormundschaft übernehmen. Verlangt wird ein erweitertes Führungs­zeugnis ohne Eintragungen. Manche Jugend­ämter fordern auch ein Gesund­heits­attest oder prüfen die persönliche Eignung und die materiellen Verhält­nisse.

Häufig suchen Jugend­ämter Ehren­amtliche mit "interkulturellen Kompetenzen". Außerdem sollte ein Vormund keine Scheu haben, sich mit Behörden auseinander­zusetzen. Vereine, die auf unbe­gleitete Flücht­linge spezialisiert sind sowie Jugendämter schulen und qualifizieren Vormünder.

Ehrenamtliche Einzelvormünder haben in der Regel nur ein einziges Mündel, für das sie sich einsetzen. Diese intensive, möglicherweise über Jahre bestehende Beziehung kann die betreffenden Kinder und Jugendlichen stark unterstützen.

Die Vormund­schaft muss beim Familien­gericht beantragt werden. Das Verfahren kann mehrere Wochen dauern. Ehrenamtliche Vormünder  haben Anspruch auf regelmäßige Beratung und Unterstützung durch das Jugendamt. Sie werden vom Jugendamt oder einem beauftragten freien Träger auf ihre Tätigkeit vorbereitet, geschult und bei  Problemen unterstützend beraten.

Nein. Häufig beantragen auch geflüchtete Personen die Vormundschaft für ihre Nichten oder Neffen.

Redaktion: Diakonie/Justine Schuchardt